Mit dem Zug durch die USA? Klingt ungewöhnlich, ist aber möglich. Auch wenn das Schienennetz heute nicht mehr die Bedeutung wie vor dem Zweiten Weltkrieg hat, gibt es sie noch: Zugverbindungen quer durchs Land.
Nach dem Wirtschaftsboom der Nachkriegszeit wurde das Auto zwar zum dominierenden Verkehrsmittel und die breiten Straßen und gut ausgebauten Parkplätze machen Autofahren wirklich sehr angenehem. Doch gerade in der Metropolregion zwischen Boston, New York City und Washington, D.C. ist das Bahnfahren auch heute noch eine attraktive Alternative.
Wir haben uns gefragt: Kann man die Ostküste der USA sinnvoll mit dem Zug bereisen? Hier teilen wir unsere Erfahrungen, Preise, Strecken und Unterschiede zu Deutschland.
Streckennetz & Preise: Wie gut ist das Bahnnetz an der Ostküste?
Das US-amerikanische Streckennetz wird stark nach Wirtschaftlichkeit optimiert. Das bedeutet: Während es theoretisch möglich ist, mehrere Tage quer durchs Land zu reisen, nehmen die Verbindungen Richtung Westen deutlich ab. In ländlichen Regionen verkehren Züge teilweise nur ein- bis zweimal täglich.
Ganz anders sieht es im Nordosten aus: Die Taktung zwischen den Metropolen ist hoch, es gibt viele tägliche Verbindungen und die Preise sind durchaus wettbewerbsfähig. Daher empfanden wir Zugfahren als eine echte Alternative zu Auto oder Inlandsflug.
Die meisten Fernzüge werden von Amtrak betrieben.
Ticketpreise & Buchungstipps
Die Preise entwickeln sich dynamisch, ähnlich wie bei Hotels und Flugtickets. Es lohnt sich daher, Preise zu unterschiedlichen Uhrzeiten und über mehrere Tage hinweg zu vergleichen. Bei beliebten Strecken empfiehlt sich auch frühe Buchung. Im Vergleich zu regulären Flexpreisen der Deutschen Bahn sind viele Verbindungen an der Ostküste überraschend erschwinglich.
Beliebte Zugstrecken an der Ostküste der USA
1. Boston – New York City
Die Strecke zwischen Boston und NYC gehört zu den meistgenutzten Bahnverbindungen der USA. Schnell, komfortabel und mit schönen Ausblicken auf Küstenlandschaften.
2. New York City – Washington, D.C.
Diese Route verbindet drei der wichtigsten Städte an der Ostküste. Unterwegs lohnt sich ein Zwischenstopp in Philadelphia (perfekt für einen kurzen kulturellen Abstecher). Der Sitzplatz ist im Ticket inklusive, eine separate Reservierung braucht ihr nicht und im Vergleich zum Stau auf dem Highway ist das Reisen spürbar entspannter.
Unterschiede: Zugfahren in den USA vs. Deutschland
Hier wird es spannend, denn Bahnfahren in den USA funktioniert teilweise anders als in Europa.
1. Gepäck-Check-in
Auf einigen Strecken muss Gepäck eingecheckt werden, ähnlich wie am Flughafen. Wer das nicht kennt, sollte frühzeitig am Bahnhof erscheinen und den Check-in-Schalter einplanen. In Washington mussten wir vor Betreten des Gleises sogar durch einen Security-Check. Erst wenn der Zug einfährt, wird das Gleis freigegeben inklusive Ticketkontrolle bis dahin wartet man "am Gate".
2. Wartebereiche wie am Flughafen
Viele größere Bahnhöfe haben separate Warte-Lounges vor dem Gleiszugang. Auch das ist sehr ungewohnt, wenn man das offene System aus Deutschland kennt.
Unsere Erfahrungen im Amtrak-Zug
Die Fahrt selbst war angenehm und überraschend komfortabel. Der Zug fuhr pünktlich ab, die Sitze waren geräumig mit viel Beinfreiheit. USB-Ports waren vorhanden und auch die Klimatisierung hat - trotz Sommer ;) - sehr gut funktioniert. Außerdem war der Wagen nicht überfüllt. Hochmodern oder stark digitalisiert wirkte er allerdings auch nicht. Aber vielleicht hat genau das auch seinen ganz eigenen Charme ausgemacht.
Fazit
Ich finde: Ja, besonders zwischen den Ostküsten-Metropolen lohnt sich die Zugreise.
Wer dem Verkehr auf den mehrspurigen Highways entkommen möchte, reist mit dem Zug entspannt und effizient. Unser Ziel war New York City und wir würden die Strecke jederzeit wieder so fahren.
Für längere Reisen steht außerdem der Amtrak Rail Pass zur Verfügung. Das amerikanische Pendant zum Interrail-Ticket. Damit lassen sich mehrere Städte flexibel kombinieren, was für die Ostküste sicherlich sehr praktisch ist. Weiter ins Landesinnere werden die Verbindungen deutlich seltener und man ist meiner Meinung nach mit dem Auto deutlich flexibler unterwegs. Zumal man außerhalb von großen Städten auch fast keine Fußgänger sieht und es entsprechend wenig Infrastruktur wie Bürgersteige gibt. Von öffentlichem Nahverkehr ganz zu schweigen. Daher macht euch das Auto in Kleinstädten deutlich mobiler.
Häufige Fragen zur Zugreise an der Ostküste
Ist Bahnfahren in den USA teuer?
Nicht unbedingt. Besonders bei früher Buchung sind die Preise attraktiv.
Sind die Züge pünktlich?
Auf der Ostküste meist ja, insbesondere im sogenannten Northeast Corridor.
Braucht man eine Sitzplatzreservierung?
Nein, bei vielen Amtrak-Tickets ist der Sitzplatz bereits inklusive.

